Mysterium Zentralmatura (Teil 1)

Es ist wieder soweit: Die Woche der Zentralmatura 2017 ist gekommen und österreichweit, also auch in Graz, darben Schüler_innen in der Abschlussklasse in einer verwirrenden Mischung aus Angst um ihren sommerlichen und familiären Seelenfrieden und dem süßen Geruch der nahenden Freiheit. Diese Woche werde ich mich nur mit allgemeinen, psychologischen und philosophischen Aspekten beschäftigen, die damit zusammenhängen.

Was hat es eigentlich damit auf sich, dass unser Bildungsministerium eines Tages auf die Idee kam, die Reifeprüfung für alle zu standardisieren und anzugleichen? Nun, die vorrangige Idee dahinter war, die Matura dadurch vergleichbarer und somit „fairer“ zu machen. Wie man schon durch diverse Negativschlagzeilen mitbekommen haben sollte, ist das wohl kein so einfaches Unterfangen.

 

Die Findung, Ausarbeitung und Testung der Aufgaben ist ein dementsprechend langwieriger Prozess, der, wie bereits empirisch demonstriert wurde, mit so einigen Pannen verbunden war und ist.

Bereits zwei Jahre vor dem Termin werden die Aufgaben vom Bifie (Bundesinstitut für Bildungsforschung) und speziellen Fachleuten, sogenannten „Item-Writern“ (speziell geschulten Fachlehrer_innen, repräsentativ nach Schularten und Region) aller Art zusammengestellt. Sie sollen das Bildungsniveau in Österreich widerspiegeln und Grundlagen, die man in jedem Fach beherrschen sollte, abfragen. Anschließend werden sämtliche Aufgaben auf ihre Verständlichkeit überprüft. Man mag es kaum glauben, aber angeblich passiert dies auch mit den Tonaufnahmen für die Hörbeispiele. Feldtestungen werden vorgenommen und die Prüfung wird auf den zu meisternden Kern reduziert. Zum Schluss wird alles noch einmal von einer Expert_innengruppe abgesegnet.

Nun beginnt der schwierige Teil – die Geheimhaltung. In den tiefsten Bunkern verschwiegen und gehütet, in einer auserwählten Druckerei vorbereitet, unter strengsten Auflagen kuvertiert, in alarmgesicherten Räumen eingesperrt und in GPS-überwachten Transportern überstellt finden die Prüfungspakete schließlich ihre Weg in die Schulen, wo das Ganze dann noch einmal von auserkorenen Personen kontrolliert mit Stempel, Siegel und Bluteid entgegengenommen und in einem Safe verwahrt wird. An den Tagen der Entscheidung (also diese Woche) erfolgt die Abholung der Aufgaben erst unmittelbar vor dem um 08.30 Uhr angesetzten Prüfungsbeginn und die Matura startet offiziell mit dem feierlichen Öffnen des Kuverts vor den Augen der vor Spannung bebenden Klasse.

Cliffhanger.

Mehr dazu morgen.

 

 

Eure Stephanie Gaberle, Nachhilfelehrerin für Deutsch, Englisch und Latein

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